Reisebericht Färöer

„Gestrandet" auf den Färöern


So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Als wir am Montag, den 17.10.2011, nach zwei Tagen auf See von der Bordlautsprecherdurchsage erfuhren, dass die Norröna Island nicht anlaufen wird, dachten wir erst an einen schlechten Scherz.

 

Wir, das sind Axel, Tobias und ich. Zusammengefunden hatten wir uns über das Land Rover Forum „blacklandy" um gemeinsam Island im Oktober mit unseren Defendern zu bereisen.

 

Mit Allem hatten wir gerechnet: Sturm, Regen, Eis und Schnee, Kälte – und genau hierfür hatten wir uns und unsere Defender bestens gerüstet.

 

Das Wetter auf Island ist – speziell im Frühjahr, Herbst und Winter – unvorhersehbar und schnell wechselnd. Nicht grundlos sagt man auf Island: „Wenn dir das Wetter nicht gefällt, dann warte 15 Minuten".

 

Wir hatten unsere Reiseroute entsprechend auch nur grob geplant und wollten uns nach dem Wetter und den Bedingungen vor Ort richten.

Aber jetzt waren wir ratlos. Ein schwerer Nordatlantiksturm tobte vor Island und baute eine kurze, steile See mit Wellenhöhen von 15m auf.

Der Kapitän der Norröna beschloss aus Sicherheitsgründen Island nicht anzulaufen. Einige Jahre zuvor hatten ähnliche Wetterbedingungen zu Schäden am Schiff und der Ladung geführt.

 

Die Norröna läuft auf dem Weg von und nach Island planmäßig für einige Stunden Tórshavn, die Hauptstadt der Färöer, an, um Ladung zu löschen und Passagiere aufzunehmen / von Bord gehen zu lassen.

Für vier Tage sollte die Norröna jetzt in Tórshavn bleiben um dann wieder Richtung Hirtshals in Nord-Dänemark auszulaufen.

 

Wir beschlossen das Beste aus der Situation zu machen und checkten an der Rezeption aus um uns die Färöer näher anzusehen.

 

Noch etwas planlos tankten wir erst mal unsere Landys voll und fuhren auf der Hauptinsel Streymoy Richtung Nordwest. Das Wetter war bewölkt mit gelegentlichen Regenschauern. Erst zum Abend stellte sich Dauerregen ein, was unserer Stimmung jedoch nichts anhaben konnte. Wir erkundeten die Landschaft und suchten uns schließlich einen Übernachtungsplatz auf einer Anhöhe mit tollem Blick über einen der Fjorde. Nach einem „Gute-Nacht-Trunk" ging es recht früh in die Koje.

 

Nach Kaffee und Toast brachen wir am nächsten Tag auf und fuhren einfach drauflos. Über einen langen unterseeischen Tunnel erreichten wir die westlich gelegene Nachbarinsel Vágar, wo sich auch der Flughafen der Färöer befindet.

Hier kehrten wir zum Trocknen auf einen Kaffee ein. Zuvor hatten wir unser Anglerglück versucht und waren vom Regen „durch bis auf die Knochen".

Der Flugbetrieb war aufgrund des mittlerweile herrschenden Sturmes eingestellt worden.

 

Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Streymoy und hier auf der Ostseite der Insel mit fantastischem Weitblick bis zur Nordspitze.

Am frühen Abend erreichten wir Tjørnuvík, einen kleinen Ort in einer grandiosen Bucht mit Blick auf die beiden bekanntesten Naturdenkmäler der Färöer, Risin und Kellingin. Hierbei handelt es sich um zwei sagenumwobene 80m hohe Basaltsäulen.

Die Wellen rollten in großen Gischtwolken auf den Strand und wir parkten in erster Reihe zu diesem gewaltigen Naturschauspiel.

Zuvor hatten wir zwei ältere Einheimische gefragt, ob wir hier über Nacht stehen können.

Wie überall auf den Färöern begegnete man uns sehr freundlich und warnte uns lediglich vor der Gischt der Brandungswellen.

Es war ein super Übernachtungsplatz, wir kochten und vergaßen sogar für eine Zeit lang unser eigentliches Ziel – Island.

 

Am nächsten Morgen starteten wir nach dem obligatorischen Frühstück und fuhren über eine Brücke auf die weiter östlich gelegene Insel Eysturoy.

Wir besuchten zahlreiche kleine Ortschaften, welche zumeist nur über eine kleine Bergstraße zu erreichen sind. Überall das gleiche Bild: Grüne Berge mit zahlreichen Wasserfällen, weiter oben teilweise verschneit.

Die Straßen in den Bergen waren zum Großteil mit einer festen Eisdecke überzogen. Außer einem schneeräumenden Radlader mit gewaltigen Schneeketten begegnete uns kaum ein Fahrzeug. Vorsichtiges Fahren war angesagt.

Am Abend übernachteten wir auf dem weitläufigen Gelände einer bereits geschlossenen Jugendherberge direkt an einem Fjord. Auf einem überdachten Grillplatz wurde gekocht und auch ein kleiner Schluck zum Aufwärmen genommen.

 

Nach dem Frühstück erkundeten wir am nächsten Morgen die Umgebung und fuhren auf Umwegen Richtung Tórshavn zurück. Überall in den Fjorden waren große und kreisförmige schwimmende Fischhaltebecken zu sehen.

Insgesamt legten wir auf den Färöern rund 560 km zurück.

 

Nach weiteren zwei Tagen und Nächten an Bord der Norröna erreichten wir dann ohne besondere Vorkommnisse den Ausgangspunkt unserer Reise, Hirtshals.

 

Das Kieler Büro der Reederei Smyril Line hat sich uns gegenüber sehr kulant verhalten und dadurch unseren finanziellen Schaden begrenzt.

Aber was ist jetzt mit Island? Ab April 2012 läuft die Norröna Island wieder planmäßig an. Und wir sind wieder mit an Bord! Jetzt erst recht!

 

Jörg

Allradler - Sonderdruck Färöer
Allradler Nr.1.12 FäröerInseln.pdf
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*** LESETIPP ***

"Aus dem Tagebuch eines Hüttenwartes"

Kerstin Langenberger (Homepage) hat hier ihre Tagebuchaufzeichnungen zu einem mitreissenden und absolut lesenswerten Bericht (zum Lachen und Nachdenken) zusammengefasst.

Für euch, dank Kerstin, zum freien downloaden.

Viel Spass bei der Lektüre !!

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